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Rollentausch

Jugendliche kontrollieren Polizisten

Manche Jugendliche bekommen es häufig mit der Polizei zu tun. Doch über jene, die sie kontrollieren, wissen sie wenig. Umgekehrt wissen die Polizistinnen und Polizisten oft nicht, wie ihre notwendigen Kontrollen bei den Jugendlichen verstanden werden. Zeit für einen Rollentausch.

Eine blaue Perücke? Dunklere Hautfarbe? Spraydosen im Gepäck? "Damit bin ich sofort verdächtig und werde von der Polizei kontrolliert", klagt eine junge Münchnerin. "Die Perücke und meine farbigen Kontaktlinsen gehören zu meinem Outfit, aber deshalb nehme ich doch keine Drogen!" "Ich sehe anders aus als die meisten - warum aber werde ich ständig von der Polizei kontrolliert und meine Freunde nicht?", fragt ein anderer. Die wenigsten Jugendlichen haben Verständnis für jene, die ihren Ausweis sehen oder in ihren Rucksack schauen wollen. Sie verstehen oft nicht, wozu Kontrollen überhaupt nötig sein sollen und warum das alles nicht ein wenig "chilliger" ablaufen kann.

Dies sind keine Einzelmeinungen, das zeigte schon Münchens erste Jugendbefragung 2012. Demnach fühlen sich Jugendliche in München zwar sehr sicher, viele klagen jedoch über häufige und aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Polizeikontrollen. So entstand beim Münchner Kommissariat K 105 für Opferschutz und Prävention die Idee, beide Seiten zusammenzubringen: Die Breakdancer, die Sprayer, die K-Pop-Fans und die Polizistinnen und Polizisten.

Polizei meets Jugendliche

Es ist Samstag, der 18. Oktober, als 14 Jugendliche des Jugendtreffs 12 junge Beamtinnen und Beamte des Unterstützungskommandos und der Einsatzhundertschaft im Biederstein treffen. Die Polizistinnen und Polizisten sind mit 20 bis 25 Jahren nur wenig älter, schnell sind alle beim "Du", eine entspannte Atmosphäre entsteht. Und schnell ist ihnen klar: ob Skater-Cap oder Polizeimütze, da drunter steckt immer ein Mensch. Und auch die Beamtinnen und Beamten lernen "ganz normale" Jugendliche kennen, auch wenn die zum Teil sehr spezielle Styles und Outfits haben. Auch über die Rahmenbedingungen herrscht Einigkeit: Handys aus, keine Fotos ohne Zustimmung, den eigenen Namen nennt nur, wer mag. Das macht es den Jugendlichen leicht, sie berichten über ihre Erlebnisse bei Polizeikontrollen und schildern für sie fragwürdige Situationen. Einmal nicht das "Kontrollopfer" beziehungsweise die oder der Kontrollierende zu sein, sondern direkt und offen miteinander zu sprechen, Kritik üben und nachfragen zu können, das ist für beide Seiten das erste Aha-Erlebnis bei diesem Perspektivenwechsel. Dass das dort passiert, wo sonst gesungen, gefeiert und getanzt wird, macht es besonders den Jugendlichen leichter.
Die Beamtinnen und Beamten hören aufmerksam zu, manches überrascht sie, sie fragen nach und erklären ihre Rolle und Funktion.

Auf der anderen Seite stehen: Jugendliche in Uniform kontrollieren randalierende Polizisten

Der Austausch ist in vollem Gange, da kommt der Rollentausch hinzu. Die Polizistinnen und Polizisten legen ihre Uniform ab, die Jugendlichen dagegen werden ausgestattet: Uniform, Handschellen, Schlagstock, Waffenatrappe und Funkgerät, das volle Programm. Schon kommt der Einsatzbefehl per Funk: jugendliche Randalierer an der Münchner Freiheit! Es ist nur ein Spiel mit vertauschten Rollen. Doch die frischgebackenen "Ordnungshüter" kommen ins Schwitzen. Wie sollen sie die "Jugendlichen" richtig ansprechen? Diese zeigen sich von der "Polizei" unbeeindruckt - wie also in kürzester Zeit als Team auftreten, sich durchsetzen, sich Respekt verschaffen? Wie die chaotische Situation unter Kontrolle bringen? Rollenspiel hin oder her, der Einsatz ist Stress pur. Auch als es gilt, den Marihuana-Verdacht an einer Schule aufzuklären, kommen die jugendlichen "Polizisten" an ihre Grenzen. Sie verhalten sich genauso, wie sie es schon oft in der Realität erlebt - und beklagt - haben. Ihren Wunsch nach freundlicheren, transparenteren und entspannteren Kontrollsituationen können sie in diesen Rollenspielen noch nicht umsetzen.

Fazit

Das Projekt "Rollentausch" setzt an der Realität von Jugendlichen und Polizei an und bringt beide ins Gespräch, es schafft gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Rollen und die jeweils damit verbundenen Umstände. Die Beteiligten nutzen die Gelegenheit intensiv, besonders in den Pausen gehen die Gespräche und Diskussionen lebhaft weiter. Und zum Ausklang führen die Jugendlichen vor, was sie normalerweise hier im Biederstein tun: Krumping zum Beispiel, ein HipHop-Tanzstil, oder zu K-Pop tanzen. Hier schauen die jungen Polizistinnen und Polizisten nur zu, doch auf dem Basketballplatz sind sie wieder mit dabei: gemeinsam mit den Jugendlichen wird gedribbelt, gepasst und in den Korb gelegt. Längst ist klar: der Austausch soll weitergehen. Das nächste Treffen findet im Polizeipräsidium statt.